Eine Nacht haben wir in Latacunga verbracht, um am nächsten Morgen einen Bus zum Vulkankrater Quilotoa und der Lagune zu nehmen. Auf dem 10,5km langen Grat des erloschenen Vulkans kann man diese einmal umrunden.
Laguna de Quilotoa
Angekommen sind wir auf 3750m bei schönem Sonnenschein. Die Höhe hat uns dieses Mal weniger zugesetzt, obwohl wir auch auf dieser Strecke einige Höhenmeter in einem Auf und Ab zurückgelegt haben.
Pfad auf dem Grad
Als fast einzige Wandernde konnten wir auf der einen Seite des Weges zur Lagune hinabblicken, während sich auf der anderen Seite das Bergland erstreckte. So waren wir einsam auf dem schmalen Pfad, an dessen Rand viele bunte Blumen und Kräuter gewachsen sind. Das Lichtspiel durch die vorbeiziehenden Wölkchen hat der Lagune eine interessant wechselnde Färbung verliehen.
Blick in die andere Richtung
Höchster Punkt der Wanderung war der „Monte Juyende“ mit 3930m. Bei diesem angekommen konnten wir feststellen, wie immer mehr dichte Wolken unseren bisherigen Weg verschleiert haben. In Richtung unseres Pfades war es weiterhin klar. Glücklicherweise haben wir den Tipp von Outdooractive, im Uhrzeigersinn zu gehen, befolgt und konnten bis kurz vor dem Ziel bei angenehmen Temperaturen und klarer Sicht wandern. Einen Moment lang waren letztendlich sowohl die Lagune, als auch der komplette Kraterrand vollständig von Nebel umhüllt.
Am höchsten Punkt, dem Monte Juyende
Am Schönsten war, den ganzen Wanderweg über nur zwei bis drei weiteren Grüppchen begegnet zu sein und durch die fast unberührte Natur zu gehen.
Nach nur fünf Tagen in Kolumbien haben wir entschieden, das Land bereits zu verlassen und nach Ecuador weiterzureisen. Daher sind wir Sonntag Abend um 23:30 mit dem Bus nach Ipiales nahe der Grenze aufgebrochen. Nach gut 10 Stunden Fahrt standen nur die Ausreise aus Kolumbien und Einreise nach Ecuador an, die uns fast zwei Stunden gekostet hat.
Der Grenzübergang Rumichaca Ipiales – Tulcán
Von ecuadorianischer Seite konnten wir schließlich mit einem weiteren Bus nach Quito fahren. Die Reise ging sechs Stunden durch Serpentinen in den Anden, bis wir abends schließlich auf 3000 Höhenmetern in der Hauptstadt angekommen waren.
Quito bei Nacht von der Dachterasse des Hostels
Rucu Pichincha
Direkt am nächsten Morgen sind wir aufgebrochen, um noch höher hinauszukommen. Für die ersten Höhenmeter haben wir dafür die Teleferico-Gondel genutzt, die uns auf knapp 4000 hm gebracht hat.
TeleferiQo
Schon von der Bergstation konnten wir den Ausblick über Quito genießen und darüber hinausschaukeln; nur die weite Sicht auf die umliegenden Vulkane war leider durch Wolken vergangen.
Schaukeln „über den Wolken“
Dann ging es mit dem Aufstieg in Richtung des Rucu Pichincha los. Die Höhe (Bergstation auf knapp 4000m) macht sich eindeutig bemerkbar, sobald man nicht in der Ebene geht. Dazu kommt, dass wir aus Cali kommend keinesfalls akklimatisiert waren und uns daher Schritt für Schritt fortbewegt haben. So nah an der Großstadt fast alleine in der Natur zu sein ist eine tolle Möglichkeit und wir haben Ausblick und Ruhe sehr genossen.
Der Weg mit nebelverhangenen Gipfeln im Hintergrund
Die Luft wurde mit zunehmender Höhe dünner, das Klima kalt und windig. Als es gegen Mittag immer weiter zugezogen ist, haben wir entgegenkommende Wanderer nach der Sicht auf der Spitze gefragt: 20m Sicht bei Nebel und Wind. Dafür hätte sich das weitere Aufsteigen unter diesen Bedingungen nicht gelohnt und wir haben entschieden, „schon“ auf 4550m kurz vor dem Ziel umzudrehen. Die Wanderung war trotzdem ein voller Erfolg!
Kurz nachdem wir uns für den Abstieg entschieden haben (und in diesem Moment einen Raubvogel gesehen haben)
Centro Histórico
Quito hat die größte Altstadt Südamerikas (zumindest laut offiziellem Guide einer Free Walking Tour). Es gibt viele Gebäude aus der Kolonialzeit, die 400 Jahre alt sind; andere wurden durch Erdbeben zerstört und wiederaufgebaut.
Plaza Grande bei Abend
Mit dem Guide einer Free Walking Tour sind wir in der Markthalle an Ständen für Kräuter, Obst und sonstige Spezialitäten vorbeigekommen, bei denen wir auch teilweise probieren durften.
Carmen an ihrem Obststand in der MarkthalleEs gab auch ungewohnte Dinge, wie Hühner mit Eiern inklusive oder Rinderhoden zu kaufen
In einem schickeren Restaurant gab es zudem einen Canelazo für jede:n: einen ecuadorianischen Schnaps, warm zubereitet mit Baumtomaten, Taxo (Frucht), Rohrzucker und Zimt. Eine Schokoladenverkostung haben wir auch mitgemacht, bei der die Schokolade ausschließlich aus (mindestens 60%) Kakao und Zucker bestanden hat und es Sorten wie Salz-Chili und Zitronengras gab. Außerdem konnten wir in ein paar pompöse Häuser hineingehen und von Dachterassen den Ausblick genießen.
Im Hintergrund die große Basilika
Allein in der Altstadt gibt es anscheinend 30 Kirchen, einige davon mit viel Gold geschmückt, andere mit feinen Bemalungen verziert.
Iglesia San Agustín
Auch geschichtlich haben wir bei der Führung Neues gelernt, beispielsweise dass Ecuador, Kolumbien und Venezuela früher ein gemeinsames Herrschaftsgebiet waren und daher die Fahnen aus denselben Farben bestehen.
Quito hat uns beiden insgesamt viel besser gefallen als die beiden kolumbianischen Großsädte (Medellín und Cali), in denen wir davor waren. Wahrscheinlich lag das hauptsächlich daran, dass die Straßen so gut gepflegt und sauber und die Hausfassaden ordentlicher (verputzt) waren. Schade fanden wir nur, dass alle Geschäfte (und Restaurants!) zwischen 15 und spätestens 20 Uhr bereits geschlossen haben.
Die (tagsüber) belebten Gassen des historischen Stadtkerns
Glück (oder Erfahrung) im Unglück
1. Ungeschickt: Stadtbus fahren zur Stoßzeit mit all unserem Gepäck. Die schließende Bustüre hat mich schließlich noch in den Innenraum drücken können.
2. Naiv: Smalltalk mit dem Mann neben mir anfangen…
3. Blöd: Der Mann, der seine Gelegenheit gesehen hat, bei seinem Ausstieg ein Andenken an mich aus dem vorderen Fach meines Handgepäcksrucksacks mitzunehmen, den ich auf dem Bauch getragen habe.
4. Schlau: Selbstverständlich hatte ich meine Wertsachen direkt am Körper in einer Bauchtasche UNTER meinem Pullover unter dem Rucksack. So hätte der Mann, dessen (erfolglose) Hand ich sogar noch gegriffen habe, maximal eine kaputte Plastikgabel und etwas Klopapier klauen können:)
Trotzdem: andere Fahrgäste waren sehr nett und wir haben mit einem Paar sogar Handynummern ausgetauscht, weil sie uns weitere Tipps für Ausflüge in anderen Regionen Ecuadors geben wollten. Das Reisen ist nicht gefährlich, man muss nur aufmerksam dabei sein (was wir ja sind).
Über Nacht sind wir mit einem Bus nach Cali gefahren, neun Stunden für 450 Kilometer.
Vom Hostel aus konnten wir zu Fuß alles erreichen, was uns empfohlen wurde. Das meiste Leben hat sich in einem Park am Fluss sowie im angrenzenden Viertel abgespielt. Überall waren dort Straßenstände, an denen Obst oder Säfte, Süßigkeiten und Knabbereien, frittierte Sachen, aber auch Kleidung, Haushaltsutensilien, Schmuck und anderes (Marihuana?) angeboten wurden.
Ein Platz, an dem viele Straßenverkäufer ihre Ware anbieten und die Tauben füttern
Wir haben auch in mehrere Kirchen geschaut, die alle von erstaunlich vielen Leuten zum Gebet aufgesucht wurden.
La ErmitaSt. Peter Kathedrale
Ansonsten war in Cali wenig los, in zwei weiteren kleinen Parks, die uns empfohlen wurden, waren wir fast ganz alleine.
Nach dem Mittagessen wollten wir noch auf einen angrenzenden Berg gehen und die Stadt von oben anschauen. Unterwegs hat unser Sicherheitsempfinden jedoch immer weiter abgenommen, was von einer aufmerksamen Frau, die uns auf dem Weg gesehen hat, bestätigt wurde: Besser, wir gingen nicht weiter, da wir überfallen werden würden. Ohne Bedenken könnten wir am nächsten Morgen (früh!) mit den „Massen“ hochgehen, so dass wir nicht alleine wären.
San Cipriano
Statt auf den Berg zu gehen, sind wir am nächsten Tag mit dem Bus in den Regenwald aufgebrochen. Nach der dreistündigen Busfahrt ging es von der Straße aus noch weitere 20 Minuten mit einem Brujita („Hexenexpress“, siehe Bild) zu einem kleinen Dorf.
Brujita, noch ohne Fahrer und (bis zu 7) weitere Mitfahrer Auf Schienen in den Regenwald
Von dort aus konnten wir auf eigene Faust am Fluss aufwärts entlanggehen und immer wieder zu Badestellen gelangen. Wenn ich es richtig aufgeschnappt habe, waren außer uns nur 46 weitere Besucher am selben Tag dort (was anscheinend schon eher viel ist), wodurch das ganze nicht den Eindruck einer „Attraktion“ vermittelt hat, sondern die Menschen dort ihrem normalen Alltag nachgegangen sind.
An einer Badestelle am Fluss
Entdeckt haben wir eine kleine Abzweigung, die uns an einem zufließenden Bach entlang zu mehreren Wasserbecken und Wasserfällen geführt hat. Besonders schön war das Erlebnis, als der Monsunregen eingesetzt und das tropische Klima etwas abgekühlt hat. Auf dem Rückweg zum Dorf haben wir auch noch mehrere Tucane gesehen.
Erfrischung im MonsunregenGlasklares Wasser im BachUnglaubliche Attenvielfalt, die an-, auf- und übereinander wächst
Río und Pueblo Pance
Neuer Tag, neuer Ausflug raus aus dem Lärm und Staub der Stadt. Dieses Mal sind wir mit dem Stadtbus in ein Naherholungsgebiet gefahren, das von sehr (!) vielen Einheimischen für den Sporttourismus zum Radfahren genutzt wird. Außerdem dient der Fluss mit seinen Badestellen unzähligen Familien als Ziel für den Sonntagsausflug. Dementsprechend voll war es im Bus und an der Straße entlang des Flusses (Autos und Motorräder), die wir zu Fuß weitere sechs Kilometer von der Endstation des Busses ins Dorf hochgelaufen sind. Froh waren wir daher, dass mit jedem weiteren Kilometer mehr Leute ihr Ziel erreicht hatten und weniger los war.
Auf halber Strecke haben wir einen Abstecher zu einem Wasserfall („Cascada del Indio“) gemacht, den wir im Voraus bereits auf Google Maps gesehen hatten. Was wir aber nicht wussten war, dass der Wasserfall als Attraktion zum Besucherhotspot der Familien wurde, die den Tag dort und in den umliegenden Restaurantanlagen verbracht haben. Doch nicht ganz so naturbelassen und idyllisch wie erhofft…
Cascada del Indio
Nach dem Durchqueren des Dorfes Pance haben wir eine Vogelranch entdeckt, bei der wir um die Mittagszeit leider schon zu spät waren, um die volle Pracht der hauptsächlich in der Morgendämmerung aktiven Vögel zu sehen. Trotzdem haben wir (als einzige Besucherinnen zu der Zeit) viele Kolibris gesehen und sogar mit Zuckerwasser auf der Hand füttern können, so dass wir die verschiedenen Farben der schimmernden Federn bewundern konnten. Im Garten der sogenannten „Villa Cielo“ haben sich viele weitere kleine bunte Vogelarten eingefunden und an den Bananen erfreut, die ihnen als Futter angeboten wurden.
Ein Kolibri, angelockt vom ZuckerwasserDer Garten der „Villa Cielo“
Heute sind wir wieder mit vielen Einheimischen in kürzere oder längere Gespräche gekommen, zum Beispiel im Bus, bei einem Obststand und auf den Wegen. Alle haben uns in Kolumbien herzlich Willkommen geheißen, teilweise noch weitere Tipps gehabt und großes Interesse daran gezeigt, wie wir zwei alleine durch Südamerika reisen.
Nachtrag: Als hätte ich mit dem Schreiben des vorigen Absatzes danach gerufen, haben wir noch am selben Abend eine andere Erfahrung gemacht. Unser Taxifahrer, der gefragt hat, woher wir kommen, meinte, dass Deutschland ihm sehr gefalle – vorallem wie Hitler die Macht und Wirtschaft vorangetrieben hat (:o). Ihm gefalle Krieg allgemein, selbst war er auch im Irak. Wir waren beide sehr schockiert und ich habe mich auch nicht besonders fähig gefühlt, ihn historisch zu bilden und konnte nur relativ klein beigeben. Immerhin haben wir ihm deutlich gemacht, dass die Deutschen selbst nicht stolz auf diesen Teil der Geschichte sind und ein friedliches Miteinander bevorzugen.
… „die Stadt des ewigen Frühlings“, wie ich in der Bahn aufgeschnappt habe. Warm ist es jedenfalls und sehr grün, wie ich schon kurz vor der Landung aus dem Flugzeug festgestellt habe.
Zweieinhalb Millionen Einwohner leben hier, im weiteren Stadtgebiet sind es laut Internet knapp vier Millionen. Wo die ganzen Menschen unterkommen kann man sich gut vorstellen, wenn man mit der Seilbahn (Metrocable) über die dicht besiedelten Hügel fährt. Oder aus einem höher gelegenen Viertel über alle Häuser blicken kann.
Blick auf (einen kleinen Teil) der Millionenstadt
Comuna 13
Der wohl bekannteste Teil der Stadt ist die Comuna 13. Früher berühmt für Drogen und Kriminalität, heute (bzw. seit 2015) das am meisten besichtigte Stadtviertel mit viel Kunst.
Beim Aussteigen aus der Metro wurden wir direkt von mehreren Guides angesprochen, die uns eine geführte Tour anbieten wollten. Der Dritte hat es dann geschafft, uns (für einen deutlich tieferen Preis als am Anfang) zu überzeugen, mit ihm die Comuna zu besichtigen.
Fast jede Wand ist mit Graffiti-Kunst verziert
Der Guide, der selbst in dem Viertel wohnt, hatte zu jedem Werk eine Interpretation parat, die die Geschichte und den Wandel der Comuna 13 erzählt. Stück für Stück haben wir uns den Berg hochgearbeitet, in dem es inzwischen sogar 6 Rolltreppen gibt. Neben den Graffitis waren wir auch in mehreren Glaerien, in denen Künstler ihre Werke präsentieren.
Werke in einer Galerie
Piedra de Peñol
Schon nach einem Tag müde von der Großstadt und ihrem Lärm, haben wir entscheiden, noch einen letzten Ausflug aus Medellín zu machen, bevor wir am Abend mit einen Nachtbus nach Cali weiterreisen.
Nach circa zweieinhalb Busstunden gen Osten kommt man zum Piedra de Peñol oder auch Peñón de Guatapé, einem einzeln stehenden Fels in einer idyllischen Seenlandschaft.
Peñón de Guatapé
Über knapp 700 Treppenstufen kann man den Brocken besteigen und die Aussicht genießen.
Aussicht über das Reservoir de PeñolTreppen steigen hat sich gelohnt
Guatapé
Anschließend waren wir noch im kleinen Städtchen, um uns ein bisschen umzusehen und etwas zu essen. Alle Straßen, nicht nur Läden und Restaurants, sondern auch Wohnhäuser, waren sehr farbenfroh bemalt.
Diese Gasse ist offensichtlich touristischDiese Treppe war in einer menschenleeren Seitenstraße versteckt
Als kleines Highlight habe ich auch den herzlichen Obstverkäufer am Straßenrand erlebt, der uns exotische Früchte zum probieren angeboten hat. Letztendlich haben wir Mangostinos, eine Pitahaya (Drachenfrucht) und Ciruelas (Mirabellen?) gekauft, eine Sapote haben wir sogar noch oben drauf geschenkt bekommen.
Trotz des Fortbestehens der Corona-Pandemie hatte ich diesen Sommer wieder genug Planungssicherheit, um eine Interkontinentalreise zu planen. Da ich mehr als zwei Monate Semesterferien habe, habe ich entschlossen, diese Zeit gut auszunutzen und meinen Hinflug für den 23. August nach Medellín, Kolumbien gebucht und die Rückreise am 19. Oktober aus Lima in Perú geplant.
Reisen mit minimalem Gepäck: 11,5 Kilo im Backpack und etwas Reiseproviant im Handgepäcksrucksack
… das wars an Planung. Zwischen diesen Städten liegen viele Kilometer, die ich mit (Nacht-)Bussen zurückegen möchte und noch viel mehr schöne Orte, an denen ich so lange bleiben werde, wie ich im jeweiligen Moment Lust habe. Warum diese Route? Ehrlich gesagt: bei der Suche nach günstigen Flügen nach Lima hatten die meisten einen Zwischenstopp in Kolumbien, was mich auf die Idee gebracht hat, die Tour dort zu beginnen Ein bisschen erkundigt habe ich mich davor natürlich, welche Städte sehenswert und gut erreichbar sind und wo die Natur am meisten zu bieten hat. Das ganze schien umsetzbar zu sein.
Anreise
Start in Herrenberg, schon bis Frankfurt drei Umstiege. Alle Abläufe am Flughafen haben zum Glück so gut wie reibungslos und sehr schnell geklappt, so dass ich sorgenfrei im Flieger saß. Nach Washington, dann nach Panama, schließlich Kolumbien. Seit Abfahrt von zu Hause waren inzwischen gut 31 Stunden vergangen. Im Hostel habe ich direkt Kathi getroffen, mit der ich die nächsten viereinhalb Wochen unterwegs bin.
Sonnenaufgang in Panama
Reiseberichte folgen, meine Route könnt ihr hier verfolgen (wird immer wieder aktualisiert):
Gut einen Monat bin ich nun wieder in Herrenberg. Wenn ich zurückdenke an Peru und das Kinderdorf, kommt es mir teilweise so vor, als wäre alles nur ein schöner Traum gewesen. Die Zeit dort war wie in einer anderen Welt, die von meinem Umfeld in Deutschland nicht verstanden werden kann und ihnen auch verschlossen bleibt, solange sie nicht selbst dort waren. Im Gegensatz dazu ist mein Leben in Deutschland unglaublich still. Ich frage mich, was die Kinder zur Zeit so machen, wie alles sich entwickelt, welche Fortschritte ich nicht miterleben kann und wäre ab und zu dann doch gerne wieder dort.
Die Kinder, das Spielen, die Sorglosigkeit
Einen Schritt vor die Wohnungstüre und direkt ist man mitten im Kinderdorf, umgeben von Menschen jedes Alters – spielend, arbeitend, lachend oder weinend. Einsam konnte man sich dort wirklich nie fühlen und auch Langeweile war ein Fremdwort, da immer irgendwo Bewegung war. Vorallem die Jüngsten, die einfach in den Tag hinein leben, ausgelassen toben, ohne Bedenken spielen und jeden schnell miteinbeziehen, sind mir sehr ans Herz gewachsen und fehlen mir nun ebenso sehr. Gerne würde ich abends wieder für die Mädels in ihren Betten etwas lesen oder singen, das Baby füttern und in meinen Armen wiegen und dabei die Ruhe und Harmonie genießen. Auch Malen und Singen im Englischunterricht oder das Ballspielen nachmittags, wodurch die Zeit wirklich erfüllend genutzt war, wären gute Beschäftigungen. Die stetige Entwicklung von Tag zu Tag, geprägt von Erfolgserlebnissen, aber auch Rückschlägen und die Freude über jeden weiteren Schritt, der am Ende alles zum Positiven wendet, würden meinen eintönigen Alltag, den ich in Deutschland nun habe, weitaus übertreffen.
Meine Mitbewohner
Ich bin unglaublich froh und dankbar, dass Emma, Linus, Maya, Kathi, Noel und Lily die Zeit im Kinderdorf mit mir geteilt haben. Die ganzen Erfahrungen, die wir zusammen gemacht haben, verbinden uns wahrscheinlich für immer und ohne diese Menschen wäre es nicht so gewesen, wie es war. Ob beim Zusammenleben, Arbeiten und Reisen oder durch sinnlose Gespräche, dumme Witze und Biertrinken, sogar durch den ein oder anderen Streit oder beim Tränen trocknen, sind mir meine Mitfreiwilligen alle so sehr und schnell ans Herz gewachsen. Im Gegensatz dazu ist die Corona-Zeit, in der ich mich nur sehr selten mit Freunden treffen kann bzw. sollte, ziemlich ruhig und wenig spannend.
Die Atmosphäre
Ich in Peru, weit weg von allem, an das ich gewöhnt war. Was mir anfangs großen Kummer und Heimweh beschafft hat, konnte ich immer mehr genießen, denn ich habe keine Gedanken an jedwelche Problemchen verschwendet, da diese weit weg waren. Meine einzigen Pflichten waren im Kinderdorf, ließen viel Raum für die eigene Interpretation und Umsetzung und waren zudem auf ein Jahr begrenzt, weswegen ich mir erstmal keine Zukunftspläne ausdenken musste. Auf die angrenzenden Berge steigen und die Weite genießen können, gedankenverloren aus dem Busfenster die Landschaft vorbeiziehen sehen und realisieren, wo man gerade ist und was man tut. Euphorie verspüren, wie frei man ist.
Jetzt muss ich mir überlegen, wie ich die Monate bis zum Studium füllen kann und im Rahmen des Freiwilligenvertrages überhaupt darf. Wahrscheinlich werde ich mich ehrenamtlich engagieren, bei der Tafel oder anderen Organisationen. Jedenfalls bin ich erstmal daheim „gefangen“ und der Handlungsrahmen ist recht eingeschränkt.