Mein Abschied vor zwei Wochen

Ab Montag (15. März) war klar, dass unser weltwärts-Freiwilligendienst vorzeitig beendet werden muss und wir zurück nach Deutschland fliegen. Wie das ganze trotz Ausgangssperre, Flugverbot und Grenzschließungen organisiert werden und wann die Heimreise sein würde, konnte aber noch niemand sagen. Die Ungewissheit war das Quälendste, denn ab diesem Zeitpunkt saßen wir auf gepackten Koffern und verabschiedeten uns quasi jeden Tag.

Ein Plakat zum Andenken, das am einem meiner letzten Abende entstand

Diese Nachricht war ein Schock für Emma und mich und wir waren erstmal verzweifelt. Wir hatten uns beide auf den Schulbeginn nach drei Monaten Ferien gefreut, ab dem ich den ganzen Vormittag in der dritten Klasse – meiner Lieblingsklasse:) – mitgeholfen hätte und mir schon viele Gedanken gemacht und Ideen dafür gesammelt hatte. Außerdem stand der Besuch meiner Eltern im Mai noch bevor und ich wollte weitere Teile Perus, v.a. den Amazonas, kennenlernen. So viele wertvollen Erlebnisse und Erfahrungen wurden uns durch eine einzige Nachricht, dass wir schnellstmöglich heim müssen, genommen. Insgesamt war so ein abruptes Ende unvorstellbar, denn wir dachten ja, bis August zu bleiben.

Am Dienstag gab es immernoch keine neuen Informationen. Jedoch war nun auch für die anderen vier Freiwilligen vom IVWK klar, dass sie bald nach Hause reisen würden. Von Mentoren, Entsendeorganisationen, dem Ministerium und der Botschaft in Lima kamen überall verschiedene Informationen, die uns dadurch natürlich auch nicht beruhigen konnten. Währenddessen wurden die Maßnahmen in Peru weiter verschärft und wir durften wirklich keinen Schritt mehr aus dem Kinderdorf treten. Die Situation änderte sich gefühlt stündlich und das hat uns verrückt gemacht. Inzwischen hatte ich mich einigermaßen damit abgefunden, nach Hause zu fliegen, weil ich sowieso nichts dran ändern kann, aber trotzdem war es kein schönes Gefühl.

Erinnenungsfoto

Am Mittwoch wurde uns nun gesagt, dass man selbst, um bis nach Lima zu kommen einen polizeilich ausgestellten Passierschein braucht. Dieser sollte für uns alle beantragt werden, damit wir möglichst bald nach Lima zu unserem Mentor fahren können, um gegebenenfalls näher am Flughafen zu sein. Durch diesen Schritt war sehr wahrscheinlich, dass es der letzte Abend im Kinderdorf und in meinem Haus ist, weshalb ich Wunderkerzen und einen Kuchen mitgebracht habe, um die Zeit etwas ausklingen zu lassen und mich zu bedanken.

Donnerstag morgen, als ich in der Küche und alle anderen am Packen und den Haushalt räumen waren, kam die Information, dass man für den Passierschein ein gültiges Flugticket vorlegen musste, über das wir alle noch nicht verfügten. Daraus schlossen wir, erstmal sowieso nicht aus dem Kinderdorf gehen zu müssen. Nur wenige Minuten später hatten wir trotzdem alle unseren Passierschein (?) und sollten innerhalb der nächsten zwei Stunden abreisen. Mittags konnten wir uns noch in den Häusern verabschieden, was niemandem leicht viel. Tränen waren vorprogrammiert und es war schön zu sehen, dass auch den Kindern und Erwachsenen der Abschied schwer viel. Dadurch wurde mir das Gefühl gegeben, etwas Bleibendes bewirkt zu haben, selbst wenn es nur die schönen Erinnerungen sind. Ich bin super traurig, die Kinder so zurückgelassen zu haben und nicht weiter zusehen und mithelfen zu können, wie sie über sich selbst hinauswachsen.

Abschiedsfoto mit meinem Haus

Auch nachdem wir uns ausgiebig verabschiedet hatten, kamen viele noch mit zum Auto, um uns zum 100sten Mal zu umarmen, alle Gute zu wünschen und zu winken. Mich umzudrehen, ins Auto zu setzen und wegzufahren hatte etwas, das sich ziemlich unwirklich angefühlt hat. Dass ich – erstmal für unbestimmte Zeit – ein letztes Mal durch diese Landschaft fuhr, konnte ich noch nicht realisieren und ließ es deswegen einfach an mir vorbeiziehen. Als wir beim Tambo nach einem Taxi suchten, merkten wir schnell, dass es aufgrund der Ausgangssperre ziemlich unwahrscheinlich war, mitgenommen zu werden, da die Straßen alle komplett leer und leise waren. Dadurch musste der Chef vom Kinderdorf mit uns weiter Richtung Lima fahren, bis wir endlich zwei Taxifahrer fanden, die bereit dazu waren und die nötigen Genehmigungen hatten, uns nach Lima zu bringen. Auf dem Weg wurden wir von Polizei und Militär je einmal genauestens kontrolliert und sind schließlich bei unserem Mentor Jürgen angekommen. Dort mussten wir dann eine Woche lang auf dem Grundstück ausharren, bis wir einen Flug nach Deutschland bekommen haben.

Coronavirus und das Ende meines FSJs

Ich bin frühzeitig zurück in Deutschland. Wegen Corona. Alle weltwärts-Freiwilligen wurden aus der ganzen Welt zurückgeholt und auch den anderen Freiwilligen wurde die Heimreise nahegelegt.

Hier die ganze Geschichte: Nachdem das Virus in China ausgebrochen ist und sich auch in Europa verbreitete, gab es Anfang März schließlich ebenfalls erste infizierte in Peru. Die peruanische Regierung hat, um die Ausbreitung einzudämmen, sehr schnell gehandelt und die Ereignisse in den letzten Tagen haben sich überschlagen. Zuerst wurde der Schulbeginn vom 16. März noch nach hinten verschoben (erstmal für zwei Wochen, aber wir werden sehen…) und Flüge von und nach Europa und Asien wurden alle gesperrt. Die bestätigten Coronafälle in Peru befinden sich momentan noch im dreistelligen Bereich, Tendenz steigend. Am nächsten Sonntag, dem 15. März, wurde der nationale Notstand erklärt und eine 15-tägige Ausgangssperre ab Montag verhängt. Diese wird durch Polizei- und Militärpatrouillen strikt kontrolliert und auch über Straßensperren durchgesetzt. Zugänglich sind nurnoch medizinische Einrichtungen, wenige Lebensmittelgeschäfte und manche Menschen dürfen zur Arbeit gehen.

Die Lage im Kinderdorf ist sehr entspannt geblieben. Wir hätten ebenfalls in Isolation gelebt und hätten das Kinderdorf nicht verlassen dürfen. Da wir die meiste Zeit sowieso dort verbracht haben und das Gelände groß ist, sowie die sozialen Kontakte alle bestehen bleiben würden, wäre das kein Problem für uns. Essensvorräte gab es auch genug und ein Verantwortlicher hat ein Dokument, mit dem er zum Einkaufen das Kinderdorf verlassen darf. Also alles kein Grund zur Panik.

Trotzdem kam die schockierende Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht, dass alle weltwärts-Freiwilligen vom Bund eingezogen werden und schnellstmöglich die Rückreise nach Deutschland organisiert wird. Wann und wie war aber nicht klar, denn das Land wurde schließlich lahmgelegt und auch wir haben uns sehr sicher gefühlt und wären gerne geblieben.

Klar, das Virus sollte nicht unterschätzt werden und alle Länder machen gerade ihre Grenzen zu. Klar, man weiß nicht, wie sich die Lage entwickelt. Klar, in Peru kann man das Gedankenspiel bis zum Bürgerkrieg durch Essensknappheit und Armut führen… aber wir wollten einfach nicht weg aus dem Kinderdorf, um dann in Deutschland ebenfalls „eingesperrt“ zu sein und bis zum Studienbeginn nichts zu tun zu haben.

Inzwischen haben wir uns damit abgefunden, dass wir nicht bleiben konnten. Wir sind uns alle einig, dass wir ins Kinderdorf und nach Peru allgemein zurückkommen werden, aber erstmal wird das Leben dort ohne uns weitergehen.

Wir sind am Donnerstag letzter Woche schließlich alle sechs Freiwilligen aus dem Kinderdorf zu unserem Mentor nach Lima gefahren, um näher am Flughafen zu sein und auf den Rückflug zu warten. Die Rückholaktion wurde groß angekündigt, dann wurden die Flüge jedoch wieder abgesagt, da mit der peruanischen Regierung kein Konsens gefunden werden konnte. Am darauffolgenden Mittwoch Nachmittag kam endlich der erlösende Anruf des Konsulates, dass uns für Donnerstag Flugtickets zur Verfügung stehen. In wenigen Stunden würden wir also schon Peru verlassen, worüber wir inzwischen aber sehr froh sind, da die Situation unter Ausgangssperre und Ungewissheit langsam unschön wurde.

Der Anruf zum Rückflug galt nur uns weltwärts-Freiwilligen, also Emma, Sophie, Hannah und mir. Die beiden Mädels mussten kurzum ihre Wohnung räumen und auch zu Jürgen kommen, so dass wir am nächsten Tag um 6 Uhr am Treffpunkt sein könnten. Das Gepäck musste noch auf 20 + 5kg pro Person reduziert werden, dann waren wir eigentlich soweit und konnten die letzten Stunden genießen. Die anderen Freiwilligen des IVWK mussten weiter warten, denn für sie war noch kein bestimmter Flug vorgesehen.

Eine Woche, nachdem wir das Kinderdorf verlassen hatten, konnten wir also ausreisen. Der Flug wurde über den Militärflughafen abgewickelt, weshalb wir uns in der Stadt im deutschen Club getroffen haben und in Bussen dorthin gebracht wurden. Die Sicherheitskontrollen wurden allein von Spürhunden durchgeführt und alles lief reibungslos ab. Um 12 Uhr saßen wir schließlich im Flugzeug, das uns in 12h15min nach Frankfurt bringen würde. Als wir um 13 Uhr schließlich endgültig abgehoben sind und einen letzten Blick auf Lima werfen konnten, wurde ich trotz aller Erleichterung und Vorfreude noch einmal etwas traurig und fassungslos, dass ich mein zweites Zuhause so plötzlich hinter mir lassen musste.

Freitagmorgen um 8:30 Uhr war es dann so weit und ich konnte meine bereits ungeduldig wartenden Eltern und meinen Bruder am Flughafen in die Arme schließen. Gleichzeitig hieß das aber auch, dass ich mich von den anderen Freiwilligen verabschieden musste, was ich schade fand. Zurück zu Hause habe ich auch gleich ein paar meiner Freunde begrüßt, aber in Gruppen treffen oder viel Zeit miteinander verbringen geht ja leider nicht…

Bei der Ankunft in Frankfurt

Alles in allem bin ich jetzt ganz zufrieden, meine Erinnerungen an Peru sind schön und hier zu Hause bin ich auch glücklich, muss mir aber noch eine Beschäftigung suchen.

Ayacucho

Ayacucho – eine wunderschöne Stadt mit knapp 100 000 Einwohnern in den Anden auf über 2700m mit Zentrum im Kolonialstil. Das war unser erster Eindruck, als wir am Montagmorgen hier ankamen. Die Luft ist angenehm frisch und der Himmel trotz Regenzeit blau. Ayacucho ist aber nicht nur einfach schön, sondern durch seine Geschichte auch ziemlich interessant.

Kolonialbauten

Den Ankunftstag haben wir einfach im Zentrum verbracht. Die Fußgängerzonen und der Hauptplatz sind schön und belebt. Wir haben auch kurz in eine der 33 Kirchen geschaut, die es in Ayacucho gibt (danke Mama und Papa, dass ich das mit euch immer machen musste, inzwischen mache ich es sogar freiwillig und gerne – den anderen hat es danach aber gereicht).

Anschließend haben wir uns bei den Einheimischen bis zu einem Aussichtspunkt über die Stadt durchgefragt, zu dem man durch ärmere Stadtteile gehen muss, die aber alle als sicher und ruhig bezeichnen.

Beim Mirador

Für Dienstag haben wir uns Kultur vorgenommen. Wir haben eine Tour gebucht, die uns zu der archäologischen Stätte Wari aus der prä-Inka-Zeit, das Dorf Quinua und das Schlachtfeld der letzten Unabhängigkeitsschlacht gegen die Spanier führt. Während wir etwas über die sehr alten Kulturen und auch die 200 Jahre zurückliegende Kolonialzeit erfahren haben, konnten wir vor allem die Ruhe, die Natur und den Ausblick genießen.

Obelisk auf dem Schlachtfeld

Auch am Mittwoch haben wir eine geführte Tour gemacht. Zusätzlich zu den vereinzelten Ruinen der Inka, die wir gesehen haben, hat uns wieder vor allem die Natur beeindruckt. Trotzdem ist auch sehr interessant, wie die Inka aus riesigen Steinen passgenaue Mauern bauen konnten.

Inka-Tempel mit Kirche aus der Kolonialzeit oben drauf
Andenpanorama

Donnerstag war unser letzter Tag in der Stadt, für den wir nichts genaues geplant hatten. Deshalb sind wir wieder einfach durch die Straßen gelaufen, haben Kuchen gegessen und sind in die Markthallen gegangen. Besonders auf dem Handwerkermarkt, wo die VerkäuferInnen noch von Hand Blumen und Muster auf Stofftaschen sticken, hat es uns gut gefallen und wir haben die ein oder andere Sache als Erinnerung gekauft.

Abends um 21 Uhr ging es dann über Nacht mit dem Bus zurück nach Lima, wo wir morgens um 7 Uhr ankamen und ins Kinderdorf gefahren sind.

Ferien im Kinderdorf

Im Dezember hat das Schuljahr geendet und seit Weihnachten sind Sommerferien. Bis nächste Woche sind also alle die ganze Zeit von morgens bis abends im Kinderdorf gewesen. Trotzdem hatte hier niemand jetzt knapp drei Monate Freizeit, sondern es gab einen geregelten Tages- und Wochenablauf.

Ausflug zur Zahnkontrolle

Von Montag bis Samstag beginnt der Tag, gleich wie in der Schulzeit, schon um 6:30 Uhr mit Aufstehen, Anziehen, Saubermachen, Frühstück und Zähneputzen. Kurz nach acht treffen sich alle zu einer Reunión, um dann mit den „Talleres“ zu starten. Das ganze Kinderdorf ist zu verschiedenen Aufgaben eingeteilt, zum Beispiel bei den Tieren, Handarbeiten, in der Küche oder einfach beim Putzen oder der Betreuung der Kleinen.

In der Mittagshitze von 12:00 – 15:00 Uhr ist dann Ruhezeit in allen Häusern, wo gegessen, Wäsche gewaschen, gespielt, Fernseher geschaut oder einfach geschlafen wird. Im Anschluss daran folgen weitere zwei Stunden, in denen alle ihren Talleres beiwohnen.

Seilspringen

Für uns ist die Ferienzeit ruhiger, da die Talleres keine offizielle Verpflichtung sind. Zwei helfen morgens immer in der Küche und manchmal gehen wir zu Handarbeiten, wo wir Armbänder knoten. Ab und zu wird auch Hilfe in der Kinderkrippe benötigt. Außerdem bin ich mittwochs und samstags beim Block- und Panflöten-, Cajon- und Gitarrenunterricht mit dem Musiklehrer. Donnerstags und sonntags öffnen wir wie immer den kleinen Kiosk.

Im Bällebad beim Ausflug

Zusätzlich organisieren wir Ferienangebote, die wir jede Woche durchführen. Montags machen wir Sport, z.B. Völkerball, Brennball, Volleyball oder Fußball. Freitag Nachmittag ist eine Olympiade, bei der die Häuser gegeneinander antreten.

Brennball erklären
Apfeltauchen

Am selben Tag abends ist „noche juvenil“, bei der wir mit den Jugendlichen ab 13 Jahren einen Film schauen, Spiele spielen oder eine Fiesta mit Tanz vorbereiten. Für die Jüngeren gibt es ab und zu eine Filmnacht, Mandalamalen, Puzzlen oder Armbänder flechten.

Vorbereitung für die noche juvenil

Wöchentlich komme ich so auf eine Arbeitszeit von knapp mehr als 40 Stunden, was auf 7 Tage und von morgens bis abends verteilt ziemlich entspannt ist. Ich merke auch, dass mir die Arbeit dadurch mehr Spaß macht und ich viel lieber Zeit mit den Kindern verbringe.

Die Kleinen in meinem Haus

Seit heute bin ich mit Emma und Sophie in Ayacucho, wo wir bis Freitag Urlaub machen. In einer Woche geht die Schule nach knapp drei Monaten wieder los und auch für uns wird sich der Alltag dadurch ändern. Es sind einige Neuerungen geplant, von denen ich dann bald berichten werde.

Nach einem halben Jahr…13.02.2020

Ganze 6 Monate – etwas mehr als die Hälfte des Freiwilligendienstes – bin ich nun schon in Peru. Heute vor einem halben Jahr sind wir losgeflogen ins unbekannte Peru, voller Neugier, aber auch verbunden mit etwas Angst. Für ein ganzes Jahr, was mir beim Abschied noch viel länger erschien, als gedacht…

Inzwischen blicke ich zurück, wie wir ohne große Spanischkenntnisse oder pädagogische Ausbildung hierher gekommen sind. Ich erinnere mich an einige Momente des Heimwehs, Verlorenheit bei dieser so anspruchsvollen Arbeit und das Gefühl, einfach fremd zu sein. Gleichzeitig betrachte ich die positive Entwicklung einzelner Kinder, die wachsende Vertrautheit untereinander und mit dem Land selbst und auch Fortschritte meinerseits. Ich habe mich gut eingelebt, so dass ich hier wirklich zu Hause bin, die Leute und Kultur kennengelernt und fühle mich sehr wohl. Trotz allem würde nicht sagen, dass ich mich verändert habe, sondern nur an Situationen gewachsen bin und mich weiterentwickelt habe.

Außerdem kann ich dankbar auf viele schönen Momente zurückblicken. Reisen, Feste und auch einfach geteilte Zeit an „normalen“ Tagen, die mir in Erinnerung bleiben werden. Meine Lage könnte eigentlich nicht besser sein, denn ich bin rundum zufrieden.

Auch vor mir stehen noch knapp 6 Monate, in denen ich stetig weiterlernen und Erfahrungen sammeln will. In einem Monat beginnt für die Kinder und Jugendlichen nach 3 Monaten Sommerferien ein neues Schuljahr. Davor möchten Emma und ich noch für ein paar Tage verreisen und im Mai kommen dann meine Eltern, mit denen ich ebenfalls reisen werde. Danach bleiben mir nur noch eineinhalb Monate im Kinderdorf, denn ab Mitte Juli werde ich mit den anderen Freiwilligen noch in den Norden Perus reisen, bevor wir schließlich endgültig unseren Freiwilligendienst beenden und nach Deutschland zurückkehren.

Mein Zeitgefühl ist irgendwie verschoben und schwer zu beschreiben. Ich erinnere mich an die Zeit vor dem Abflug, als wäre es nicht lange her, während die Schulzeit aber ewig zurückzuliegen scheint. Der Aufenthalt in Peru, die einzelnen Tage und Wochen, vergehen einerseits schnell, andererseits lebe ich eine Routine, kenne die Leute, und habe so viel erlebt, als wäre ich schon sehr lange hier.

Ebenso mit der bevorstehenden Zeit. Rein theoretisch ist nur gut die Hälfte des Freiwilligendienstes vorbei und mir bleibt noch eine gefühlte Ewigkeit. Trotzdem wirkt es durch die einzelnen Abschnitte (Ferien, Schule, Reisen, Schule, Reisen) so, als blieben mir nur ein paar Wochen bis zum Abschied von Peru und dem Wiedersehen mit meiner ganzen Familie und meinen Freunden.

Ich werde mir immer wieder dessen bewusst, wie irreal es für mich eigentlich ist, „alleine“ (ohne jegliche Personen, die ich vor dem Jahr kannte) in Peru zu sein und anschließend so zurückzukehren, als wäre ich nie weg gewesen (denn bis auf die abgeschlossene Schulzeit ist wahrscheinlich alles gleich). Gerade deswegen genieße ich jeden Tag und freue mich auf alles, was mich hier noch erwartet.

Salzwüste und Atacamawüste

Von Cusco sind wir nachts über Puno am Titicacasee nach Bolivien gefahren und haben je eine Nacht in Copacabana und La Paz verbracht. Im Schnelldurchlauf haben wir unterwegs die Isla del Sol besichtigt, den Cerro Calvario bestiegen und sind in La Paz mit der Teleférico (Gondel) über die Stadt geschwebt. Wiederum über Nacht ging es dann nach Uyuni, dem Ausgangspunkt unserer 3-tägigen Tour in die größte Salzpfanne der Erde und den südlich angrenzenden Nationalpark.

Salar de Uyuni

Erreichbar ist die Salzpfanne nur mit offiziellen Guides, da man sich in der 11000 Quadratkilometer Landschaft schnell verlieren würde. Unsere Gruppe bestand aus zwei Geländewägen mit jeweils 6 Personen und wir teilten unser Auto mit drei jungen Australiern und einem Israeli. Noch bevor wir die riesige schneeweiße Ebene erreichten, hielten wir beim Eisenbahnfriedhof an. Dort konnte man auf den alten, rostigen Zügen herumklettern, die einst zum Salztransport innerhalb Boliviens verwendet wurden.

Eisenbahnfriedhof

Der nächste Stopp war am Eingang zur Salzpfanne. Hier haben wir das erste Mal die Weite der Ebene gesehen und zu Mittag Alpakafleisch gegessen (laut Anna schmeckt es wie Rind, ich kann das nicht beurteilen, weil ich noch nie Rind gegessen habe). Weiter ging es, weg von den Touristenmassen, in die endlose Weite. Hier hatten wir dann Zeit, unsere Kreativität bei Perspektivfotos auszulassen und verschiedene Ideen umzusetzen.

Wir hatten Glück, dass wir zur Regenzeit in der Salar waren, da ein Teil der Pfanne sich zu einem Salzsee verwandelt hat, in dem schöne Spiegelungen entstanden sind und man auch bei Fotos mit dieser Reflexion spielen konnte.

Reflexion im See

Mitten aus der Fläche ragen ab und zu Inseln, von denen wir auf eine hochgewandert sind. Die Isla Incahuasi ist einerseits durch die vielen Kakteen, von denen sie bewachsen ist, besonders, verschafft aber auch einen endlosen Ausblick bis zum Horizont.

Isla Incahuasi

Bevor wir die Salzpfanne verlassen haben und zu unserer Unterkunft, einem Hotel aus Salz, gefahren sind, haben wir den Sonnenuntergang abgewartet. Die Landschaft wirkte im Abendlicht (und durch die fallenden Temperaturen) auf mich, als wären wir auf einer Arktisexpedition.

„Arktisexpedition“

Am zweiten Tag sind wir weiter südlich durch die Landschaft gefahren und haben verschiedene Stopps an Steinlandschaften, Lagunen und Vulkanen gemacht. Hier konnten wir einerseits die verschiedenen Farben des Wassers durch Algen und Mineralien sehen, zusätzlich aber auch Alpakas und Vicuñas, sowie Flamingos und andere Vögel beobachten.

Vulkan
Alpakas

Einen weiteren Halt haben wir bei Schwefelgeysiren gemacht, deren Dampf aus der Erde teilweise ziemlich heiß sein kann und so riecht, wie Schwefel es eben tut. Trotzdem haben wir uns nicht entgehen lassen, durch die warme Wolke zu laufen und dabei viele Fotos zu machen.

Geysire

Gegen Abend sind wir in unser einfaches Hostel eingekehrt, um nach dem Abendessen noch in den Hot Springs (natürliche heiße Quellen) zu baden und die Sterne anzuschauen. Während die Außentemperatur um den Gefrierpunkt lag, war die natürliche Wassertemperatur der heißen Quellen bei angenehmen 40°C, was dem Ganzen etwas sehr besonderes verliehen hat.

Am nächsten Morgen sind wir bei Minusgraden aufgebrochen. Nach weiteren Aussichtspunkten in der Wüste war die Tour auch schon zu Ende und wir wurden vormittags an der chilenischen Grenze in einen Bus gesetzt, der und nach San Pedro gebracht hat. Die Salzebene, eine weltweit einzigartige Landschaft, war definitiv ein Highlight der Reise und auch den Weg in den Süden wert.

Unsere Gruppe während der Tour

San Pedro de Atacama

Nach langen Grenzkontrollen wurden wir im kleinen San Pedro in der Wüste bei Temperaturen um die 40°C abgesetzt. Nachdem wir im Hostel eingecheckt und uns einen Überblick verschafft hatten, zogen wir los, um Fahrräder auszuleihen und ins Valle de la Luna (Mondtal) zu fahren. Satz mit X, wir waren (um 13 Uhr mittags) wohl schon zu spät dran und der Eintritt wurde nurnoch mit geführten Touren gewährt. Da wir nur eine Nacht in San Pedro hatten und für den nächsten Tag schon etwas anderes geplant war, mussten wir das für den dreifachen Preis schließlich in Kauf nehmen, um überhaupt noch einen Einblick zu bekommen. Nachdem unsere bereits gebuchte Tour dann auch noch abgesagt wurde und wir plötzlich eine kürzere Tour zum gleichen Preis machen mussten, waren wir etwas enttäuscht und schlecht gelaunt. Dennoch hat es sich auf jeden Fall gelohnt, weil wir von oben von der Düne einen super Ausblick hatten.

Valle de la Luna

Heute sind wir wieder sehr früh gestartet, um zu den El Tatio Geysiren zu fahren. Angekommen sind wir dort ebenfalls bei Minusgraden, aber sobald die Sonne kam, hat sich alles etwas aufgewärmt. Beeindruckend ist, dass Wüste und schneebedeckte Bergspitzen so nah aneinander liegen. Die Geysire waren nicht so schweflig wie die, die wir in Bolivien gesehen haben, sondern einfach nur aufsteigender Wasserdampf, da auf der Höhe von 4320m der Siedepunkt bereits bei 85°C liegt. Damit ist das El Tatio Geysirfeld das am zweithöchsten gelegene weltweit. Gleichzeitig befinden sich dort weitere Thermalquellen und ein Pool zum Baden, den wir aber nicht genutzt haben.

El Tatio Geysirfeld

Unsere Reise neigt sich schon dem Ende zu, denn heute Abend fahren wir nach Arica weiter. Die restlichen Tage werden wir hauptsächlich am Strand verbringen, uns eventuell am Surfen versuchen und noch einen Ausflug in den Lauca Nationalpark machen. Für mich geht es danach (von Lima aus) mit dem Zwischenseminar in Chincha weiter und Anna beendet ihre Reise mit ein paar Tagen in Equador und einem Zwischenstopp auf dem Heimweg in New York. Dadurch, dass wir in den letzten zwei Wochen so viel gesehen und riesige Strecken zurückgelegt haben, kam mir die Zeit ewig vor, ist durch das ständige Weiterziehen und Entdecken aber auch erstaunlich schnell vergangen. Vor mir habe ich, bevor ich ins Kinderdorf zurückkehre, trotzdem noch weitere 10 Tage, die sicherlich ebenso schnell vergehen werden.

Cusco & Umgebung

Unsere erste Station der Reise war also Cusco, wobei die Stadt selbst nicht im Mittelpunkt steht. Hauptgrund für diesen Stopp waren nämlich die berühmte Inkastätte Machu Pichhu und ein Ausflug zu den Rainbowmountains.

Machu Pichhu

Nachdem wir abends in Cusco gelandet sind und noch schnell einen Bus für den Folgetag gebucht haben, sind wir am 30. Dezember um kurz vor sieben aufgebrochen. Vor uns hatten wir eine 7-stündige Busfahrt über Serpentinen nach Hidroeléctrica, davon eine gute Stunde Schotterpiste. Anschließend sind wir noch knapp drei Stunden (ca. 10km, recht monoton) an Fluss und Bahngleisen entlang nach Aguas Calientes gewandert, wo wir ein Hostel hatten. Von Cusco aus mit dem Zug dorthin zu fahren wäre wahrscheinlich bequemer gewesen, war uns aber schlicht und einfach zu teuer.

Am Weg nach Aguas Calientes

Am letzten Tag des Jahrzehnts stand für uns also die Besichtigung der Ruinen Machu Pichhus an, die bei einer Peru-Reise fast nicht fehlen darf. Dementsprechend viele Touristen sammeln sich dort auch, weswegen wir schon um halb fünf aufgestanden sind. Da der Tag noch lang genug werden würde entschieden wir uns für die Option, für die restlichen Höhenmeter in einen Bus zu investieren, wofür mir Knie und Hüfte am Ende des Tages noch danken würden. So standen wir 10 Minuten vor Eröffnung vor dem Eingang und konnten schließlich vor der Sonne und noch mehr Touristen das typische Fotomotiv live erleben. Ein paar Stunden sind wir oberhalb und durch die Ruinen gegangen, haben das Spiel der Wolken beobachtet und uns umgeschaut.

Machu Pichhu am Morgen

Um wieder zurück nach Cusco zu kommen, mussten wir die gesamte Reise erneut antreten, also zuerst im Regen 2000 Stufen runter, 10 Kilometer an den Gleisen entlang und weitere 7 Stunden Bus (die Fahrt, gequetscht in einen Minibus mit gefühlt 200km/h durch Serpentinen am Abgrund war der reinste Horror). Nass und erschöpft, aber froh, heil angekommen zu sein, waren wir also zwanzig Minuten vor Neujahr im Hostel. Zu müde waren wir, bei dem ungemütlichen Wetter noch das Feuerwerk anzuschauen, so dass wir einfach gemütlich etwas gegessen haben, uns ein frohes neues Jahr gewünscht haben und ins Bett gefallen sind.

Rund um Maras

Am ersten Januar haben wir uns einen gemütlichen Tag gemacht. Am späten Vormittag sind wir aufgebrochen, um die Salineras de Maras (Salzterassen) und Moray (eine Inka-Stätte, auf deren Terrassen Landwirtschaft betrieben wurde) zu besichtigen. Als wir schließlich am Eingang der Terrassenanlage Moray standen, mussten wir feststellen, dass man keinen Einzeleintritt dafür kaufen konnte, sondern 130 Soles für ein Ticket, in dem mehrere Ausgrabungsstätten inbegriffen waren, hätte kaufen müssen (was sich für uns nicht gelohnt hätte). Also weiter zu den Salineras, die aus mehr als 3000 Becken von je 5 m^2 bestehen, in denen rosanes Salz abgebaut wird. Dieses Phänomen basiert auf einer Salzquelle, die vor mehr als 110 Millionen Jahren bei der Bildung der Anden entstanden ist und bis heute zur Gewinnung von Salz genutzt wird.

Salineras de Maras

Vinicunca Rainbowmountain

Für den letzten Tag in Cusco haben wir uns eine organisierte Tour gebucht (Anbieter Rainbow Mountain Travels). Um kurz nach 3 Uhr (nachts) wurden wir direkt vom Hostel geholt und sind in einem Kleinbus auf 4600m in die Berge gefahren. Als wir dort (nach einem Frühstücksstopp) um 7 Uhr ankamen, haben wir direkt gemerkt, dass in der vergangenen Nacht Schnee gefallen war und alles bedeckt hat. Die Wanderung (ca. 1h 45min) bis auf über 5000m haben wir uns trotzdem nicht nehmen lassen, auch wenn uns oben leider bloß die Aussicht auf weitere Schneebedeckte Berge erwartet hat. Die imposanten bunten Farben, die durch verschiedene Mineralien im Gestein entstehen, konnten wir enttäuschenderweise nicht sehen, aber falls es jemanden interessiert, gibt es im Internet mehr als genug Bilder des Vinicunca-Berges. Im Mai, wenn ich mit meinen Eltern reisen werde und keine Regenzeit ist, haben wir hoffentlich etwas mehr Glück…

5040 msnm
Die Aussicht auf Schnee und Alpacas, die sich uns eröffnet hat

Jetzt geht es für uns mit dem Nachtbus weiter nach Bolivien an den Titicacasee (Copacabana).

Besuch aus Deutschland und Reiseplanung

21:57 Uhr, ich sitze am Flughafen Jorge Chávez und warte auf Anna, die um ca. 2:00 Uhr landen wird. Ich habe noch ewig Zeit, aber bin schon hier, da ich nachts nicht alleine in Lima Bus oder Taxi fahren wollte (insofern es nicht sein muss).

Während ich so dasitze und beobachte, erinnere ich mich zurück, wie wir damals angekommen sind – unwissend, was uns erwartet. Dieses Mal kommt mir der Flughafen kleiner, überschaubar vor und ich fühle mich nicht mehr so, als wäre ich ein Tourist. Ich spreche inzwischen ausreichend spanisch, um mich zu unterhalten und z.B. beim Busfahren durchzufragen und finde mich auch in Lima (in diesem Kontext beschränkt auf die Stadtviertel Miraflores und Barranco) zurecht. Das Verkehrschaos und die Menschenmassen in Lima, die anfangs ein großer Stressfaktor für mich waren, nehme ich gar nicht mehr wirklich wahr. Hier in Lima und Cieneguilla habe ich ein zweites Zuhause gefunden und freue mich jetzt schon, weitere Teile Perus und Südamerikas kennenzulernen.

Hier also zu unserem Plan: eine Reise durch Peru, Bolivien und Chile in 19 Tagen. Bis Sonntag bleiben wir in Lima und dann geht es schon nach Cusco. Dort ist selbstverständlich ein Ausflug nach Machu Picchu angesagt, aber die Stadt und Umgebung bieten viel mehr, wie beispielsweise die Rainbow Mountains oder das Red Valley. Silvester verbringen wir jedenfalls in Cusco und fahren am 2. Januar weiter nach Copacabana, Bolivien, am Titcacasee. Kurz darauf geht es dann nach La Paz und von dort aus in die Salar de Uyuni, die weltweit größte Salzpfanne, in der wir eine 3-tägige Tour machen. Diese endet in San Pedro de Atacama, so dass wir am 8. Januar in Chile rauskommen. Die weiteren Tage sind noch nicht durchgeplant, aber wir haben vor, über Arica (an der Küste Nordchiles) in den Lauca Nationalpark zu fahren. Um nach Lima zurückkehren, überqueren wir die Grenze und fliegen dann von Tacna aus.

Die Route zu planen, Rezensionen zu Busunternehmen und Hostels zu lesen und schließlich alles zu buchen war verbunden mit vielen Recherchen im Reiseführer und Internet, Telefonaten mit Anna und natürlich investierter Zeit. Ich hoffe, dass uns unterwegs keine unerwarteten Hindernisse zustoßen und all unsere Erwartungen und Wünsche erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen, werden. Dass Regenzeit in Cusco, La Paz, sowie der Salzwüste ist, könnte teilweise trotzdem zu kleinen und größeren Problemen führen, wir bleiben gespannt, weitere Berichte mit Fotos folgen…

Ich freue mich jedenfalls einerseits darauf, eine gute Freundin nach langer Zeit wiederzusehen und andererseits, neue Orte zu erkunden und zu bestaunen.

¡Feliz navidad!

Weihnachten mal ganz anders – die Familie am anderen Ende der Welt und auch das Wetter trägt nicht gerade zur Weihnachtsstimmung bei. Gefeiert wird trotzdem, denn im Kinderdorf werden die Kinder katholisch erzogen.

Begonnen haben die Festlichkeiten mit einem Weihnachtsgottesdienst am 23. Dezember. Dabei wurde gesungen und ein paar durften auch am Abendmahl teilnehmen. Schön war, dass sich gegenseitig Frieden gewünscht wurde, wie ich es auch aus Deutschland kenne.

Gottesdienst am 23. Dezember

Dass am 24. Dezember Heilig Abend ist, merkt man erst um 19 Uhr, als alle zusammenkommen. Tagsüber wurde schon Essen vorbereitet, das nun geteilt wird. Jedes Haus hat ein Lied oder einen Tanz vorbereitet und aufgeführt und wir haben schließlich auch „In der Weihnachtsbäckerei“ vorgesungen.

Mein Haus am Tanzen

Die Stimmung war nun so weit, dass Reggaeton getanzt wurde, was vielen großen Spaß macht und die meisten Peruaner auch echt gut tanzen können. Nachdem wieder alle zu Ruhe gekommen sind, haben wir ein paar Geschenke an die Tíos und Tías, die jeden Tag so tolle Arbeit leisten, überreicht und auch selbst eine kleine Aufmerksamkeit bekommen.

Eine Spende der ehemaligen Freiwilligen für das Kinderdorf

Inzwischen war dann schon 23 Uhr und alle sind in ihre eigenen Häuser gegangen. Die Jüngeren sind, falls sie nicht sowieso schon im Bett waren, direkt eingeschlafen und in meinem Haus wurde weiter verrückt getanzt. So ist die Stunde schnell vergangen und um Mitternacht sind alle, die noch wach waren, wieder aus den Häusern gekommen, um sich frohe Weihnachten zu wünschen und die Feuerwerke entlang des Tals zu beobachten. Anschließend wurde sogar noch gegessen, aber bald sind wir dann auch müde ins Bett gefallen.

Die Geschenke wurden erst am Morgen des 25. geöffnet und Weihnachten wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen im Park geschlossen.

Unser Weihnachtsbaum mit Geschenken

Weihnachten war einmalig. Einmalig, weil das Fest etwas ganz Besonderes war, aber auch einmalig, weil ich das Weihnachtsfest erstmal nicht wieder fern von zu Hause verbringen möchte. Die besinnliche Zeit mit der Familie ist gerade zu Weihnachten etwas Unersetzliches und die fröhliche Feier hier habe ich dadurch nicht wirklich als Weihnachten wahrnehmen können.

Weihnachtszeit ist Visitazeit

Der Stress, der durch das Jubiläum entstanden ist, hat sich gelegt, aber mit Weihnachten folgt direkt das nächste große Fest, das im Kinderdorf gefeiert wird. Daran wollen anscheindend auch viele von außerhalb teilhaben, denn in jeder Dezemberwoche kommen bis zu fünf Besuchergruppen (Spender), teilweise sogar zwei an einem Tag. Außerdem endet das Jahr bald und wenn einem die gute Tat noch fehlt, bietet sich das Kinderdorf dafür eben gut an. Unterstützung kommt beispielsweise von Schulen aus Lima, einer Anwaltskanzlei oder den Pfadfindern.

Besuch und Geschenke vom Weihnachtsmann
Animation und Tanz mit Papá Noel und Olaf dem Schneemann

Visitas sind eine sehr wichtige Einnahmequelle für Spendengelder und deshalb zeigt sich das Kinderdorf natürlich nur von seiner besten Seite. Die Kinder wissen das auch, ziehen sich schön an, benehmen sich gut und lächeln bereitwillig für die Kameras. Gleichzeitig freuen sich alle über die Zuneigung, Anerkennung (z.B. für das Panflötespielen) und die Geschenke, so dass alle profitieren. Mitgebracht werden nämlich reichlich Süßigkeiten und neue Spielsachen im Überfluss. Leider gehen die Kinder dementsprechend schlecht mit den Sachen um, da sie sowieso kurz darauf etwas Neues bekommen…deshalb finden wir Kleidungs-, Essens-, Geldspenden und geschenkte Zeit deutlich sinnvoller. Manchmal denken sich die Besucher auch schöne Aktivitäten aus, wie zum Beispiel Basteln oder Spiele, bei denen sie wirklich mit den Kindern interagieren.

Neue Gesellschaftsspiele
Puppentheater „Rotkäppchen“

Auch sonst bereiten sich alle auf Weihnachten vor. Es wird (mit Plastikbäumen) dekoriert, Weihnachtskarten wurden in Mengen gebastelt, es gibt Adventskalender fürs Warten und wir wichteln unter den Erwachsenen. Wir Freiwilligen wollten Plätzchen backen, sind aber einfach noch nicht dazu gekommen. Weihnachten selbst, was in der Nacht und den gesamten Folgetag vom 24. auf den 25. gefeiert wird, wird dann geschlossen im Kinderdorf verbracht, aber darüber werde ich extra berichten.

Einer der Plastikbäume, hier schon geschmückt
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