Was bisher geschah – Review des ersten Viertels

Wie die Zeit fliegt…fast 3 Monate sind seit meinem Abflug vergangen. 25% des Freiwilligendienstes sind damit schon aus! Einerseits fühlt es sich an, als ob ich schon ewig hier leben würde, aber andererseits kann ich nicht glauben, dass schon November ist (kann aber auch daran liegen, dass hier jetzt der Sommer kommt und das Wetter mein Empfinden verändert). Ich habe nichts wirklich Neues zu erzählen, weshalb ich nochmal zurückblicke und die vergangen Monate Revue passieren lasse.

13.08.2019 – Abschied, Abfahrt, Abflug, ¡adios!

Von den ersten Tagen, sowie dem ersten Monat habe ich ja schon ausführlicher berichtet, jedenfalls waren die vielen neuen Eindrücke und die Umgebung (Land und Leute) sehr überwältigend.

17.08.2019 – Wir wurden im Kinderdorf abgesetzt, jenseits von allem, was wir kannten – einschließlich der Sprache. Leicht war es anfangs wirklich nicht, sich daran zu gewöhnen, NUR spanisch sprechen zu können. Nach zwei Wochen ging das aber auch schon besser und jetzt komme ich wirklich gut zurecht.

Unser Tal

Die erste Krankheit inklusive Arztbesuch und Medikamenten, habe ich überstanden, meine Essgewohnheiten habe ich bei meiner Ankunft von einem auf den anderen Tag komplett umgestellt, unsere Wohnung hier ist unser zweites Zuhause.

04. – 09.10.2019 – Auch die erste weitere Reise nach Huaraz (anderer Blogbeitrag) habe ich sehr genossen und gut überstanden – weitere Touren sind in Planung. Wenn wir mittags Zeit haben, erkunden wir aber auch die Nahe Umgebung des Kinderdorfs, was teilweise ein guter und notwendiger Ausgleich ist.

Río Seco in unserem Tal

19.10.2019 – Wir bekommen durch Linus Zuwachs in unserer Wohnung. Jetzt kommt frischer Wind in die Bude und auch die Arbeit (v.a. der Englischunterricht) wird geteilt. Dass wir drei uns erst seit Kurzem kennen, merkt man uns nichtmehr wirklich an und schon bald kommen sogar noch weitere Freiwillige aus Deutschland. In Lima waren wir dann gemeinsam am Oktoberfest (ja, das gibt es auch hier), das wirklich gut war, auch wenn das „Wasen-Feeling“ aus Stuttgart nicht in Lima angekommen ist.

Bier gab es jedenfalls genug, und die Band anfangs war auch deutsch

Ich merke, wie ich immer besser mit allem umgehen und die Zeit genießen kann. Entweder haben sich die Kinder inzwischen an mich, oder aber ich mich an die Kinder gewöhnt. Jedenfalls kann ich nurnoch Positives berichten und hoffe natürlich, dass es weiterhin so bleibt. ¡Hasta luego!

Aktuelles

Jetzt, nach mehr als zwei Monaten, ist das Leben hier zum Alltag und das Kinderdorf zu meinem Zuhause geworden. In die Abläufe kommt Routine und viele Dinge fallen mir inzwischen leichter, als am Anfang – vorallem das Spanisch.

Die ersten zwei Monate waren Emma und ich die einzigen Freiwilligen im Kinderdorf und damit auch die einzigen, die das Casa Comunal bewohnt haben. Jetzt haben wir Verstärkung von Linus bekommen, der für 6 Monate bleibt. Bis Mitte Januar erwarten wir noch drei weitere Freiwillige vom IVWK, so dass wir dann zu sechst hier leben.

Wir haben auch Cieneguilla etwas weiter erkundet, zum Beispiel CIMA, eine Einrichtung für Jungs zwischen 10 und 18 Jahren von der Straße. CIMA kann man ein bisschen mit dem Westfalia Kinderdorf vergleichen, nur dass die Zielgruppe verschoben ist.

CIMA

Unser Mentor hat uns eine deutsche Kaffeerösterei gezeigt, dessen Besitzer auch die Waldorfschule führt, in die ein paar der Älteren aus dem Kinderdorf gehen, wenn sie Lehrer werden wollen (es wird Pädagogik etc. unterrichtet, kein normaler Unterrichtsstoff). Direkt davor gibt es einen schönen Park, den wir noch nicht kannten.

Die Kaffeerösterei
Colegio Waldorf

Vor den Toren des Kinderdorfs gibt es eine Ausgrabungsstätte, die noch vor der Kolonialzeit erbaut wurde (also vor mehr als 500 Jahren). Dort haben wir uns etwas umgeschaut und sind ein bisschen an einem Berg hochgestiegen. Danach sind wir am (trockenen) Flussbett entlanggelaufen und haben auch einen Fußballplatz gefunden.

Am Berg

Im Kinderdorf selbst gibt es viel zu tun, da in einem Monat das Jubiläum und in zwei Monaten eben Weihnachten ist. Dafür werden Tänze einstudiert, Bäume und Kakteen zurechtgeschnitten, sowie sehr viele Karten und Geschenke für Paten, Sponsoren und Freunde gebastelt. Zwischendurch finden wir trotzdem noch Zeit, um mit den Kindern beispielsweise Volleyball zu spielen oder für uns, um zu entspannen oder abends am Dach Sterne zu schauen.

Mir geht und gefällt es immer besser, die Zeit vergeht wirklich schnell (1/5 ist schon vorbei).

Tienda Tía Emma

Die Tienda Tía Emma, als spanisches Äquivalent zum Tante-Emma-Laden, wurde vor ein paar Jahren von den damaligen Freiwilligen ins Leben gerufen und seitdem immer weitergeführt. Mit der Spielwährung Aldea Soles, mit denen die Produkte gekauft werden können, sollen die Kinder den Umgang mit Geld lernen.

Die Tienda

Jeden Sonntag erhalten die Kinder, je nach Alter und Verhalten, ihre Aldea Soles. Mit diesen können sie dann in der Tienda, die wir immer am Sonntag und Donnerstag für eine Stunde öffnen, Obst, Süßigkeiten oder andere Kleinigkeiten kaufen. Das Geld dafür kommt von Spenden aus Deutschland, mit denen wir die Waren zweimal wöchentlich nachkaufen.

Der kleine Laden

Sobald gerufen wird „Se abre la Tienda Tía Emma“ kommen die ersten Kinder angerannt und schon bald bildet sich am Verkaufsstand eine (mehr oder weniger ordentliche) Schlange. Die Meisten geben direkt ihr ganzes Spielgeld aus, das sie bekommen haben, so dass für den Donnerstag nichts übrig bleibt, aber ein paar Wenige sparen auch, weil es entweder das gewünschte Produkt gerade nichtmehr gibt oder sie einfach auch am Donnerstag noch etwas kaufen wollen.

Bevor die Kinder anstürmen…

Das Einkaufen (v.a. das Schleppen des vielen Obstes etc.), Vorbereiten und Durchführen der Tienda ist zwar teilweise anstrengend, aber die Tienda ist für die Kinder jedes Mal aufs Neue ein Highlight. Es ist überraschend und sehr schön zu sehen, dass viele ihre gekauften Sachen miteinander teilen, obwohl ja eigentlich jedes Kind selbst Aldea Soles bekommt und einkaufen kann.

Kurzurlaub in Huaraz

Mal wieder raus, mal wieder etwas Neues sehen! Kurzurlaub von Freitag bis Mittwoch…

Freitag – Anreise

17:00 Uhr: Den Rucksack voller Kleidung, Essen und auch Wanderschuhen, verlassen wir das Kinderdorf, um mit dem Bus (1) zum Collectivo nach Lima am Tambo (2) zum Bus in Lima (3) zum Fernbusbahnhof von Cruz del Sur (4) zu fahren. Schon bis zum Nachtbus also eine kleine Weltreise, die aber sehr gut und reibungslos geklappt hat. In Lima treffen wir uns auch mit Sophie, die den ganzen Ausflug geplant hat.

21:45 Uhr: Wir sitzen endlich im Bus, der uns in die Anden nach Huaraz bringen soll. Der Bus ist sehr bequem, es gibt genügend Beinfreiheit, Decken, Kissen, Boardpersonal und sogar Fernseher. Wir fühlen uns ein bisschen wie im Flugzeug in der Businessclass. Neun Stunden später werden wir an unserem Ziel ankommen.

Unsere Plätze im Reisebus

Samstag – Hallo Huaraz!

7:00 Uhr: Angekommen im Kame House‘, unserem Hostel für die nächsten drei Nächte. Wir werden vom Besitzer, einem jungen Mann, sehr freundlich begrüßt und bis wir unser Zimmer beziehen können und den Tag richtig starten, frühstücken wir auf der Dachterasse mit Blick auf Huaraz und die Cordillera Blanca, die Bergkette mit den schneebedeckten 6000ern. Die Sonne strahlt schon und die Stadt und Landschaft laden ein, die Gegend zu erkunden.

Auf der Dachterasse

10:30 Uhr: Wir machen uns auf den Weg zum Plaza de Armas, den wir aus dem Taxi gesehen haben. Inzwischen sind die Straßen auch belebter und die Sonne noch kräftiger. Wir setzen uns erstmal auf eine Bank und genießen die Aussicht.

Plaza de Armas

Wir bummeln ein bisschen durch die umliegenden Straßen, schauen uns die Verkaufsstände an und auch in Restaurants rein, essen ein Eis. Von der Nachfahrt etwas müde machen wir eine kleine Pause und so vergeht die Zeit bis zum Mittag schnell, dass wir danach eine Kleinigkeit essen und ins Hostel zurückkehren.

15:00 Uhr: Wir starten zum Mirador (Aussichtspunkt). Im Reiseführer wird von Überfällen auf diesem Weg berichtet und auch, dass man wie immer Einheimische nach der Lage befragen soll. Gesagt, getan: Es ist sicher, bis zum Kreuz, danach sagt man, sei es unsicher, aber selbst dort hat unser Vermieter noch nie von solchen Vorfällen gehört. Also los!

Unser Ziel, das Kreuz

Den Spaziergang, wo wir 40 Minuten bergauf bis auf 3355m laufen, nutzen wir, um uns an die Höhe zu gewöhnen. Glücklicherweise merken wir hier noch keine Anzeichen der Höhenkrankheit, nur dass man, sobald der Weg nicht eben ist, sehr schnell außer Puste kommt. Definitiv hat sich der Spaziergang gelohnt, denn schon unterwegs konnte man die ganze Stadt überblicken und die Berge sowie Bergluft genießen, die für mich irgendwie etwas Heimisches haben.

Der Ausblick

Den Tag haben wir dann noch mit einem frisch gepressten Saft in der Stadt ausklingen lassen und im Hostel Spaghetti gekocht und unsere Sachen für den nächsten Tag gerichtet, denn dann geht es für uns in den Nationalpark Huascarán.

Sonntag – Laguna Parón

7:00 Uhr: Weckerklingeln. In einer Stunde werden wir vom Hostel abgeholt. Anziehen, frühstücken, Brötchen für den Tag holen, fertig. Unser Bus kommt pünktlich und wir fahren die nächsten vier Stunden, am Ende ganz lange nurnoch mit 20 km/h über Schotterpisten. Naja, wenigstens ist die Aussicht auch hier schon beeindruckend.

12:15 Uhr: 4200m, Laguna Parón. Türkisblaues Wasser und der Blick entlang des Tales. Nur die Sicht auf die umliegenden 6000er-Giganten mit Schnee wird uns durch die Wolken leider verwehrt.

Laguna Parón

100m weiter bergauf, konzentriert atmen. Zwei Schritte durch die Nase ein, dann zwei Schritte durch den Mund aus. Jetzt, am Weg zum Aussichtspunkt, merken wir die Höhe und die dünne Luft. Ein und aus, Schritt für Schritt über den steinigen Pfad. Nur nicht zu schnell gehen, nur nicht zu schnell atmen. Ein und aus.

Der Aufstieg (hier noch, ohne über größere Steine zu klettern)

Eine halbe Stunde später zahlt sich die Anstrengung aus. Das Gefühl von Freude, Freiheit und Frieden überkommt mich, inmitten der wilden Natur und auf der unglaublichen Höhe von 4300m.

Beim Mirador (mit Emma)

Das Absteigen bereitet mit den richtigen Schuhen keine Schwierigkeiten, aber wir werden von etwas Regen überrascht und sind froh, als wir wieder auf Höhe der Lagune sind, bevor der ganze Pfad zu rutschig wird. Kurz darauf fahren wir mit unserer heutigen Reisegruppe, die übrigens „Waikis“ (?) (aus dem Quechua, deutsch „Freunde“) heißt, zurück nach Huaraz, wo wir nurnoch eine Pizza essen gehen und schlafen.

Montag – hoch hinaus zum Pastoruri Gletscher

7:00 Uhr: Wecker, aufstehen, anziehen, Brötchen holen, Frühstück…same procedure as yesterday. Der Bus, der uns zwischen 8:00 und 9:00 Uhr holen soll, ist schließlich um 9:15 Uhr da. Heute heißt unsere Reisegruppe „aventureros“ (deutsch „Abenteurer“). Wir starten in Huaraz auf 3050m, fahren aber 70 km in die Cordillera Blanca bis auf 4800m. Unterwegs stoppen wir, um einen Cocatee zu trinken, der gegen die Höhenkrankheit helfen soll. Wir halten auch noch weitere zwei Male an, um die Weite der Landschaft zu genießen (und zu fotografieren).

Die einzigartige Puya Raimondi Pflanze

13:00 Uhr: Wir steigen aus dem Bus, vor uns sehen wir schon das Ziel, den Pastoruri. Nur noch 45 Minuten Fußweg und 250 Höhenmeter trennen uns vom Gletscher. Wir laufen langsam los und atmen, ein und aus.

Der Aufstieg

Immer wieder machen wir kleine Pausen, um zu trinken und zu atmen, ein und aus. Der Puls sinkt schnell wieder, in der Ebene gehen ist nicht anstrengend, bergauf schon. Wer nicht laufen kann oder will, kann auf einem Pferd hochreiten. Wir laufen aber, atmen. Am höchsten Punkt auf 5050m angekommen sehen wir wieder, es hat sich sehr gelohnt!

Die Gletscherlagune

Eines ist trotzdem bedrückend. Der Klimawandel ist in Peru schon mehr als angekommen und verheerender als eh und jeh. Gletscher – ewiges Eis?! Ein Schild weist darauf hin, der Gletscher schrumpft in einem unvorstellbaren Tempo und wird schon in wenigen Jahren nichtmehr existieren. In den Alpen wird es bald nicht anders aussehen, denn der ganze Planet ist offensichtlich betroffen. Die Natur und die Menschen hier sind auf ihre Gletscher angewiesen, die Schuld am Klimawandel und somit der Einfluss darauf liegt jedoch ganz und garnicht bei den Leuten hier im peruanischen Hochland…

„Der Pastoruri-Gletscher war 2015 hier“

15:00 Uhr: Wir sind inzwischen wieder auf 4800m abgestiegen, wo der Bus wartet. Der 8-jährige Junge vor uns übergibt sich – die Höhenkrankheit hat zugeschlagen. Wir fühlen uns alle drei wohl, von der kühlen, frischen, dünnen Luft etwas müde und hungrig. Halb sieben werden wir im Hostel sein, essen, packen, Trinkwasser filtern, schlafen.

Dienstag – Laguna 69 – Komme ich heute an meine Grenzen?

4:00 Uhr: Der Tag beginnt – früh. Die Wanderung, die wir uns vorgenommen haben, ist lang und liegt hoch. Alle Sachen sind gepackt, denn heute Abend fährt auch unser Bus nach Lima schon. Für den heutigen Ausflug werden wir fast pünktlich um 5:00 Uhr (statt 4:30 Uhr) vom Hostel abgeholt und fahren wie immer erstmal eine Weile, um zum Ausgangspunkt der Wanderung zu kommen.

7:30 Uhr: Wir halten zum Frühstück an, haben einen super Blick auf die Berge. Ich trinke einen frischen Bananensaft, der sogar warm ist. Die Sonne wärmt langsam alles auf und prickelt angenehm auf der Haut. Wir fahren noch weiter in den Nationalpark, machen eine kurze Pause bei der türkisblauen Laguna Chinacocha.

Laguna Chinacocha

9:15 Uhr: Nun aber los, 7 Kilometer inklusive 700 Höhenmetern zur Laguna 69 (und zurück) gehen sich nicht von selbst. Der Pfad geht zuerst durchs grasbewachsene Tal, durch Bäche und vorbei an Wasserfällen, Kühe grasen. Unterwegs hört man nur das Rauschen des Wassers und des Windes.

Schließlich kommt der Anstieg, ich muss kontrolliert atmen. Ein und aus. Heute spielt das Wetter mit, Sonnenschein, schöne Farben im Licht, herrliche Sicht. Ich halte kurz an, weil ich beim Wandern meine Gedanken schweifen lasse und diese Sätze niederschreiben möchte. Ein Brite fragt mich „Are you okay?“ – ich antworte mit „Si, ¡gracias!“.

Auf ca. halber Höhe

3 Stunden später… Llegamos! Geschafft! Fertig! Ob ich an meine Grenzen gekommen bin? Ich weiß es nicht…körperlich wäre noch mehr gegangen, aber Spaß gemacht hätte das sicher nichtmehr. Jetzt aber den Ausblick genießen!

Laguna 69 (4604m), sogar mit kleinem Gipfelkreuz

Wir werden von leichtem Hagel und Regen überrascht und müssen absteigen. Die Nässe und der peitschende Wind sind unangenehm, aber plötzlich zieht es noch einmal auf und wir können die schneebedeckten Spitzen bewundern.

Wetterbedingter Abstieg
Unglaubliche Aussicht

15:15 Uhr: Wieder beim Bus, wir treten die Heimfahrt an. Der Regen kam dann doch noch und wir sind froh, ins Trockene zu kommen. Als wir zurück in Huaraz sind, gehen wir noch peruanisch essen (ich esse Ají con Quinoa) und ins Hostel, um uns umzuziehen und das Gepäck zu holen.

Peruanisches Essen: Ají con Quinoa und Lomo Saltado

21:15 Uhr: Taxi steht da, wir sind startklar. Der Fahrer bringt uns zum Busterminal, um 22:00 Uhr werden wir losfahren. Wenn alles planmäßig klappt, kommen wir morgen früh um 6:00 Uhr in Lima an und fahren dann noch ca. 2-3 Stunden nach Cieneguilla. Theoretisch haben wir geplant, mittwochs schon wieder – zumindest den halben Tag – zu arbeiten. Die Tage in Huaraz waren zwar anstrengend, aber trotzdem kehre ich entspannt, zufrieden und ausgeglichen ins Kinderdorf zurück.

Der Markt (Tambo)

Wenn wir mal wieder frisches Obst, Milch, Eier o.ä. brauchen, machen wir uns auf den Weg ins Zentrum Cieneguillas. Nach 5-10 Minuten Fußweg bergab erreichen wir die geteerte (naja – zumindest halb geteerte) Hauptstraße, an der der Bus anhält. Circa 20 Minuten später, je nach Busfahren aber auch schon nach 10 Minuten, und 1 Sol (ca. 30 Cent) ärmer kommen wir am Tambo an.

Der Weg ins Tal
Der Bus, der uns zum Tambo und zurück bringt
Statt Bus könnte man auch Tuktuk fahren, aber das haben wir uns noch nicht getraut und es dauert wahrscheinlich sowieso länger.

Am Tambo gibt es eine Markthalle mit verschiedenen Ständen, an denen man fast alles findet, was das Herz begehrt. Einen Stopp machen wir immer beim Obsthändler Eduardo, der uns oft auch etwas zum Probieren schenkt und gerne unsere Sonderwünsche wie „eine Ananas, die in 4 Tagen reif ist“ erfüllt.

Ein Gang in der Markthalle
Eduardo mit Schwester & Obst

Am Tambo werden auch ganze Hühnchen verkauft, es gibt Fisch, Kleidung, Haushaltswaren und ganz viel anderen Krimskrams, den man nichtmal braucht. Was beim Besuch des Tambo aber nicht fehlen darf, sind frische Brötchen vom Bäcker. Kommt man zur richtigen Uhrzeit, dann gibt es Chibattabrötchen, von denen man auch einigermaßen satt werden kann, aber oftmals werden leider auch nur luftige, weiche Brötchen, die zwar gut schmecken, aber nicht nahrhaft sind, verkauft.

Ansonsten gehen wir öfters auch in den Supermarkt, der wahrscheinlich nicht viel größer als 20 Quadratmeter ist. Butter, Milch & Co gibt es dort jedenfalls und viel mehr brauchen wir ja auch nicht, da wir für größere Einkäufe ab und zu nach Lima, bzw. das nähste Stadtviertel der 10-Millionenstadt, fahren.

Glücklicherweise gibt es auch einen Bankautomaten, was hier nicht als Selbstverständlichkeit gesehn werden kann, uns aber den Weg nach Lima erspart. Man kann jedes Mal zwar nur umgerechnet etwas mehr als 100€ abheben, kommt mit dem „wenigen“ Geld aber sehr weit.

Außerdem kann man bei Notfällen auch verschiedene Apotheken aufsuchen, die gegen alle Beschwerden ein Mittel haben und es gibt auch eine Krankenstation, aber wir fahren bei Krankheiten trotzdem lieber nach Lima zu einer deutschen Ärztin.

An der Hauptstraße

Was allen Peruanern sehr wichtig ist, ist das Essen. Am Tambo gibt es deshalb unzählige Restaurants, von denen die meisten „pollo“, also Hühnchen, anbieten. Man findet aber zusätzlich dazu viele anderen Gerichte, die entweder typisch peruanisch, europäisch oder international sind. Am Straßenrand gibt es auch Buden, bei denen man Dinge für den kleinen Hunger findet.

Die Imbissbuden
Blick von oben aufs Zentrum

Übrigens: Ich dachte, dass das oberste Stockwerk der Häuser (wie man am Foto sieht) unfertig und offen sei, weil das Geld bzw. Material zum Weiterbauen fehlt, habe nun aber gelesen, dass die Häuser so als Baustelle gelten und dadurch keine Steuern bezahlt werden müssen.

Nach knapp zwei Stunden sind wir dann meist zurück im Kinderdorf, vollgepackt vom Einkauf (hauptsächlich Obst) und auch verausgabt vom Berg, den wir in der Hitze hochlaufen mussten.

Das Eingangstor

Lima Miraflores

Wenn wir uns ein freies Wochenende nehmen wollen, aber keine größere Reise planen, können wir mit dem Bus oder Sammeltaxi (collectivo) bis nach Lima fahren, was je nach Verkehr 1 bis 2 Stunden dauert. In Lima müssen wir dann noch ein Taxi nehmen, um in das richtige Stadtviertel zu kommen. Auch wenn in Reiseführern etc., aber nicht von Einheimischen (denen man bei Fragen oder Warnungen zur Sicherheit echt vertrauen sollte), immer davor gewarnt wird, Taxis von der Straße zu nehmen, suchen wir uns ein Taxi, das halbwegs verkehrssicher wirkt und ein offizielles Taxi ist (jedes Auto könnte hier zum Taxi werden, indem man ein Schild aufs Dach klebt) und lassen uns zum Hostel bringen. Das beliebteste Stadtviertel Limas für Touristen und auch der Teil der Stadt, der sehr viel in puncto einkaufen und ausgehen bietet, ist Miraflores.

Der Dreh- und Wendepunkt von Miraflores ist der Parque Kennedy. Tagsüber bieten Straßenkünstler ihre farbenfrohen Werke hier an, abends ist der Park ein beliebter Treffpunkt. Außerdem ist der Park bekannt für seine vielen Katzen, die im Park leben und dort gefüttert werden.

Parque Kennedy

In den Straßen rund um den Parque Kennedy gibt es unzählige Imbissbuden, Restaurants und Bars. Abends wimmelt es hier von Limeños und auch vielen Touristen. Von allen Seiten wird man von Türstehern verschiedener Clubs hereingebeten, ja es wird einem schon fast aufgedrängt einzutreten.

Die echten Limeños treffen sich abends in den Steinkreisen, die kleinen Amphietheatern ähneln. Dort wird dann (Salsa) getanzt, wobei die Gesellschaft von jung bis alt durchmischt wird. Ich finde bewundernswert, wie gut der soziale Umgang miteinander dort funktioniert und wie offenherzig sich fremde Peruaner gegenseitig begegnen.

Abends in den „Steinkreisen“

Folgt man der Hauptstraße, die sowohl tagsüber, als auch nachts sehr belebt ist, kommt man an den Pazifik.

An der Küste, eingebaut in die Felsen, befindet sich das Einkaufszentrum Larcomar. Während überirdisch ein Park angelegt wurde, sind in die Steinwand (Luxus-)Geschäfte und Restaurants eingebetten worden. Wer dort einkauft muss daher auch damit rechnen, auf Preise zu treffen, die denen in Westeuropa oder Nordamerima entsprechen.

Einkaufszentrum Larcomar

Verpassen sollte man auch nicht den riesigen Inkamarkt, auch wenn die Zielgruppe dessen die Touristen sind und nicht „das echte Peru“ wiedergespiegelt wird. In großen Markthallen werden hier Decken, Pullis, Schals und noch viel mehr aus Alpakawolle angeboten, es gibt Schmuck, Souvenirs, aber auch Schuhe, Musikinstrumente, Kunst,…

Marktstände
Farbenfrohe Malereien

An allen Ständen wird mehr oder weniger das Gleiche angeboten, aber die Preise sind je nach Sympathie und auch Verhandlungskünsten unterschiedlich. Wer also freundlich grüßt, sich auf gutem Spanisch mit den Verkäufern unterhält und dabei seine halbe Lebensgeschichte erzählt hat gute Chancen, auch einen guten Preis angeboten zu bekommen.

Miraflores alleine ist schon riesig und hat sehr viele verschiedenen Facetten. Gar nicht vorstellen kann man sich die Größe von Lima im Gesamten, das mehr als 10 Millionen Einwohner hat, aus 43 Stadtteilen besteht und sich 120 Kilometer an der Küste entlang ausdehnt.

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