Familie und Freunde, gemeinsame Zeit und Unternehmungen mit diesen: das ist klar. Aber uns ist auch aufgefallen, dass es andere Dinge gibt, die wir in Deutschland als selbstverständlich sehen oder bei denen wir nicht einmal denken, dass es sie an anderen Orten nicht gibt. Der folgende Beitrag ist keinesfalls Kritik (und wir kommen natürlich auch ohne diese Dinge gut zurecht), sondern soll zeigen, in was für einem Luxus wir in Deutschland leben.
Freiheiten und Möglichkeiten
Hier im Kinderdorf, etwas abseits von der Hauptstraße und dem Treiben Cieneguillas, ist nicht so viel los. Wir profitieren von der Natur und dem großen Gelände, aber andererseits braucht man schon allein bis zum Markt, wo es leider keinen großen Supermarkt (aber trotzdem fast alle Produkte) gibt, mindestens 30 Minuten (laufen und Bus fahren), zurück ebenfalls. Durch unsere über den Tag verteilten Arbeitszeiten und der Vorschrift, bei Einbruch der Dunkelheit (momentan ca. 18:30 Uhr) wieder im Kinderdorf zu sein, kommen wir dementsprechend eher selten raus.
Nach Lima könnte man auch für einen einzigen Tag fahren, aber dafür nehmen wir uns trotzdem eher ein Wochenende mit Übernachtung, dass wir auch den Abend und die Nacht voll auskosten können.
Ausschlafen
Jeden Tag – auch am Wochenende – gehen wir morgens in die Häuser, um beim Anziehen und Frühstücken zu helfen. Das heißt, dass wir unter der Woche um 6:40 Uhr mit dem Arbeiten beginnen, samstags um 7 Uhr und am Sonntag etwa um 7:30 Uhr. Dank des kurzen Weges zur Arbeit, bei dem wir nur über den Hof laufen müssen, klingelt unser Wecker zwar nur 20 Minuten bevor es losgeht, aber dass wir nicht einen einzigen Tag zum Ausschlafen haben merkt man an der Müdigkeit mittags und abends trotzdem.
Snacks, Schokolade, maches Essen 🙂
Zwischen den Hauptmahlzeiten haben wir oft Appetit. Während das Obst hier leckerer und günstiger ist als in Deutschland, ist Schokolade aber eher Mangelware und teurer. Vor allem das Frühstück, das aus gewöhnungsbedürftiger Milch und zwei wenig nahrhaften Brötchen besteht, reicht uns meistens nicht aus, und auch beim Bäcker am Markt gibt es nichts wirklich Sättigendes. Bei meiner Heimkehr werde ich wahrscheinlich zuerst ein Vollkornbrötchen mit Nutella essen, nach dem ich mich jetzt schon sehne. Insgesamt haben wir manchmal das Bedürfnis, einfach kurz etwas zu kochen oder zu naschen, was aber in unserem kleinen Haushalt meist nicht vorhanden ist. (Tipps für Snacks für zwischendurch nehme ich sehr gerne an! Wir haben schon Popcorn gemacht, essen Kekse und Müsli und ein Vorrat an Obst befindet sich auch meist im Kühlschrank. Gekocht haben wir bis jetzt nur Nudeln, Kartoffeln und Milchreis.)
Heizung
Mitte August, als wir hier in Peru angekommen sind, war noch tiefster Winter. Auch wenn die Temperaturen nicht viel tiefer als 15 Grad sinken, kriecht die Kälte überall hinein. Durch die Luftfeuchtigkeit an der Küste und die fehlende Isolation von Wänden und Fenstern friert man auch mit dickerer Kleidung und auch im Haus oft. Vorallem nachts, wenn man sich eigentlich unter die Decke kuscheln kann, war uns oft kalt, so dass wir mit Pulli geschlafen haben und auch immernoch schlafen. Inzwischen haben wir uns aber daran gewöhnt und es wird auch merklich Frühling, denn es bleibt abends etwas länger hell und ist auch nachts nichtmehr so kalt, dass wir frieren. Ich muss mir auch eingestehen, dass mittags das ganze Jahr über die Sonne scheint (nicht gerade in Lima, aber in Cieneguilla wo wir sind) und es auch so warm ist, dass ein Heizkörper wirklich nicht notwendig ist.
Staubsauger
Da wir eine eigene Wohnung haben und unseren Haushalt führen, bleibt das Putzen selbstverständlich auch nicht aus. Vorallem durch die Lage in der Steinwüste ist es relativ staubig, so dass wir mehrmals die Woche Boden und Regale putzen müssen und auch nass wischen. Der Staub setzt sich überall so fest, dass man selbst beim 10ten Mal fegen noch eine ganze Menge zusammenkehren könnte, bzw. ein Staubsauger vielleicht helfen würde, aber soo schlimm ist es nun auch mal wieder nicht…nur etwas umständlicher und braucht Zeit und auch Kraft.
Waschmaschine / Spülmaschine
Das Spülen nach dem Essen und Kochen ist kein riesiges Problem, das macht man ja auch in Deutschland öfters Mal noch von Hand. Das größere Hindernis stellt meistens eher die Lust dar, sich auf den Weg in die Küche zu machen, die im Gebäude nebenan liegt.
Von Hand waschen ist anstrengend, das haben wir gemerkt. Jedes Kleidungsstück einzeln einweichen, sauberreiben, auswaschen, trockenwringen und aufhängen dauert seine Zeit und wird an der Kleidung sicherlich Spuren hinterlassen. Inzwischen funktioniert aber zum Glück das Warmwasser wieder, was das Waschen ein kleines bisschen erleichtert. Außerdem können wir uns dadurch umso mehr auf die Waschmaschine daheim in Deutschland freuen.
WLAN
Ein Luxusproblem natürlich, aber bequemer wäre es, wenn man einfach Musik übers Internet hören, ab und zu ein Video schauen, Bilder verschicken (und Blogbeiträge verfassen) oder Reisen buchen könnte, ohne dabei daran zu denken, sein mobiles Internet bald aufgebraucht zu haben. Alles in allem haben wir aber echt einen guten Telefonanbieter, über den wir für nur wenig Geld ins Internet gehen können und nicht von der Welt abgeschnitten sind.
Wie man es eigentlich sehen müsste…
Das Kinderdorf ist nicht schlecht angebunden. Wir kommen mindestens ein Mal die Woche zum Einkaufen und im Notfall sind wir in einer guten Stunde auch in der Hauptstadt. Außerdem hat das Kinderdorf neue Akkus, die die Solarenergie effektiv speichern und wir bis jetzt 24/7 ohne Probleme Strom hatten (und das alleine durch erneuerbare Energie!). Zusätzlich ist das ganze Wasser im Kinderdorf trinkbar, da eine Aufbereitungsanlage ins Leitungssystem eingebaut ist und wir müssen auch daran nicht sparen. Das Warmwasser funktioniert inzwischen auch gut und der Druck beim Duschen ist ebenfalls in Ordnung. Mit diesen zwei Dingen – durchgängig Strom und genießbares Wasser – liegt das Kinderdorf wahrscheinlich schon oberhalb des peruanischen Standarts und wir fühlen uns hier wirklich wohl und genießen jeden Tag. Auch unsere Wohnung ist innerhalb des Kinderdorfs eine der Besten, denn jedes Zimmer verfügt über ein eigenes Bad, wir haben eine Küche und unser Kühlschrank ist einer der einzigen im Kinderdorf.
Am Ende des Jahres werde ich definitiv einen ergänzenden Blogbeitrag erstellen, in dem ich berichten werde, was mir an Peru fehlen wird, sobald ich nach Deutschland zurückkehren werde. Auf die Liste dieser Dinge kann ich schon nach dieser kurzen Zeit mehrere Dinge setzen, zu denen sicherlich noch viele weiteren hinzukommen werden!